Gute Nachricht

Beschreibung

Hallo, dies ist ein erster Versuch von mir. Daran werde ich weiterarbeiten, weil es sehr viel zu vertiefen und zu erweitern gibt. Allein für die Personhaftigkeit der Schöpfermacht müsste ich noch mindestens 2 Bücher durcharbeiten. Aber es ist schon einmal ein Anfang und ich bin auf Eure Einschätzungen gespannt.

Die Bibel spricht im Buch Genesis davon, dass die sichtbare, materielle Welt nicht aus sich heraus, durch den reinen Zufall, ohne Plan und Ziel entstanden ist, sondern dass es hinter dem Kosmos eine Macht gibt, die ihn ins Leben gerufen hat.

Die Physikerin Lisa Randall, geht in ihrem Buch Verborgene Universen (2005) davon aus, dass über unsere drei Dimensionen hinaus weitere Dimensionen existieren, die wir nur erahnen können, die aber unsere dreidimensionale Welt beeinflussen. Um dies zu veranschaulichen, eignet sich die Geschichte von Edwin Abbott (1838 – 1926) über Flatland. A Romance of Many Dimensions (1884). In diesem fiktiven Text werden Lebewesen einer zweidimensionalen Welt mit Handlungen von Lebewesen der dreidimensionalen Welt konfrontiert und verstehen das Geschehen nicht. Ebenso könnte nach Lisa Randall die Mehrdimensionalität Phänomene erklären, die die Quantenphysik sowie die Kosmologie beschreiben.

Als die Texte der Bibel über den Ursprung der Welt entstanden, wurden materielle Gegenstände (z.B. Sonne und Mond (Babylon) oder auch Quellen und Bäume (Taoismus) oder Ahnen (chinesische Kultur) als übernatürliche Kräfte in vielen Kulturen verehrt. Die Bibel beschreibt nun diese Dinge als Götzen, die durch eine Macht erschaffen worden sind, auf die alles zurückgeht.

Die Bibel geht aber noch weiter und beschreibt diese alles begründende Macht als eine Person, also jemanden, der sich seiner selbst bewusst ist, freie Entscheidungen treffen kann, Verantwortung für sein Handeln übernimmt, und soziale Kontakte eingehen kann (vgl. Christoph Böttigheimer: Bedingungslos anerkannt (2018); Klaus Berger: Ist Gott Person? (2004)). Und zudem behauptet die Bibel, dass diese Person an ihrer Schöpfung interessiert ist und eine Beziehung zu den von ihr geschaffenen Menschen sucht.

Diese Beziehung ist allerdings eigentlich so wenig möglich, wie eine Beziehung zwischen einem Menschen und einem Floh möglich ist, die Ebenen und Qualitäten der Wahrnehmung sind einfach zu unterschiedlich. Die irritierende Aussage der biblischen Schriften ist nun die, dass sich diese Macht den Menschen in konkreten Situationen offenbart hat, d.h. dass sie als Wesen einer höheren Dimension in die dreidimensionale Welt eingedrungen ist, um den Kontakt zu den Geschöpfen aufzunehmen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. In Ansätzen werden solche Situationen in der Geschichte Israels erzählt und erreichen dann um den Beginn unserer Zeitrechnung herum mit der Person des Wanderpredigers Jesus ihren Höhepunkt.

Allerdings ist diese Beziehung immer wieder schwierig, weil die vernunftbegabten und ethisch entscheidenden Geschöpfe eine Eigendynamik entwickelt haben, sobald sie über ein Bewusstsein verfügten. Das was die Bibel als Zielverfehlung (ἁμαρτία hamartía) bezeichnet verweist auf die Eigendynamik der Geschöpfe: anstatt die Beziehung zum Schöpfer zu suchen, suchen sie den Sinn ihrer Existenz in sich, in den materiellen Dingen, die sie produziert haben und in der Macht über die Schöpfung, über Tiere und andere Menschen.

Der Wanderprediger Jesus, der um die Zeitwende im nahen Osten lebte, behauptete nun, ein Teil dieser hier beschriebenen Macht zu sein und mit ihr in engem Kontakt zu stehen. Er beschrieb diese Macht mit dem Wort abba (hebr. Papa) und verdeutlichte ihre Eigenschaften durch gleichnishafte Bilder und durch sein Handeln. Sowohl die Bilder (z.B. die Hilfe für den Nächsten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter) als auch das Handeln (als frommer Jude hatte er Kontakt zu Prostituierten, Aussätzigen und Aussenseitern der Gesellschaft) Jesu verstießen gegen alle religiösen Regeln des Judentums und gegen die Prinzipien der antiken Welt (vg. Martin Zimmermann: Gewalt. Die dunkle Seite der Antike (2013)).

Das Leben Jesu fand ein rapides Ende durch seine Verhaftung, Anklage und anschließende Kreuzigung, was im römischen Reich die brutalste Hinrichtungsmethode darstellte. Im Sinne der Bibel war dieser Tod ein kosmisches Ereignis, das die Weltgeschichte für immer verändert hat. Im Versuch einer naturwissenschaftlichen Beschreibung könnte der Kreuzestod Jesu als Hineinwirken einer höheren Dimension in unsere Welt verstanden werden, durch das ein neuer Einflussbereich dieser höheren Dimension entsteht und unsere Welt partiell verwandelt wird. Der Vorhang im Tempel zerriss und gab das Allerheiligste frei, die Erde bebte, die Sonne verfinsterte sich – da war einiges los. 

Nach den Erzählungen der Evangelien wurde Jesus am dritten Tag nach seinem Tod von seinen Anhängern gesehen. Dass ein Toter aus dem »Totenreich« (wie man den Tod in der Antike verstand) zurückkommt, war auch schon in der Antike eine absolut irre Vorstellung und völlig undenkbar. Dennoch behaupteten die Anhänger Jesu, dass genau dies stattgefunden habe. Sie wurden verlacht, verspottet und zeitweise massiv brutal verfolgt und trotzdem bildete sich in Jerusalem eine zunehmend wachsende Gruppe von Menschen, die genau daran glaubten, dass der Tote zurückgekommen sei und lebe – wenn auch in einer etwas anderen Form.

Vor dem Hintergrund der Theorien von Lisa Randall (1962 – ) könnte die sog. Auferstehung der Person Jesu durchaus nachvollziehbar sein. Nach einer gewissen Zeit verschwand er wieder, sagte aber seinen Anhängern, er wäre stets in anderer Form bei ihnen. Eine Person aus einer anderen Dimension kommt in die dreidimensionale Welt und zieht sich aus ihr wieder zurück. Der Film Interstellar (2014) von Christopher Nolan, der unter Beratung von Physikern entwickelt wurde, veranschaulicht genau dies.

Es entwickelte sich eine Gemeinde von Juden und Nichtjuden in Jerusalem, die einen anderen als den gängigen Lebensstil entwickelten, die Arme und auch Sklaven aufnahmen, Frauen als gleichberechtigte Menschen ansahen und damit so sehr auf die antike Gesellschaft einwirkten, dass sie die antike Welt massiv veränderten, nicht allein durch ihr Handeln (Ethik), sondern auch durch ihre innovativen Konzepte und Bilder (Metaphern), die sie von der Welt und der Schöpfungsmacht hatten (vgl. Alvin J. Schmidt: Wie das Christentum die Welt veränderte (2009)).

Die Christen sind nun davon überzeugt, dass sie mit der Schöpfungsmacht durch das Gebet und Meditation in Kontakt treten können, dass Denken und Handeln im Sinne der Schöpfungsmacht die Welt positiv beeinflusst und es am Ende der Zeit eine neue Form des Zusammenseins von Schöpfung und Schöpfer geben wird. Durch Jesus kann die Beziehung wieder zwischen Schöpfer und Menschen wieder hergestellt werden und durch seine Nachfolger wird das sog. "Reich Gottes", der Einflussbereich des Schöpfers auf dieser Erde ausgeweitet.

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Evangelium Glaube Gottesbeziehung Gute Nachricht Mensch Schöpfung
Beschreibung

Nachdem ich nun in drei Themes (1., 2. und 3.) einzelne Blickwinkel auf die große Geschichte der Bibel gerichtet habe, will ich diese nun in einer Story selbst zusammenbringen. Das ist schon eine große Herausforderung, ich will aber gleichzeitig noch möglichst kompakt darin bleiben. Geschichte ist immer der Fokus auf bestimmte Aspekte und Weglassen von vielem anderen. Damit wage ich mich nun an die große Erzählung und schaue dann in einem zweiten Schritt, was diese im Zusammenklang mit unserer Zeit macht.

Zur Strukturierung der Geschichte nutze ich eine Einteilung, die N. T. Wright vornimmt, indem er die biblische Geschichte in Akte eines Dramas aufteilt (siehe ersten YouTube Link unten). Er selbst spricht klassisch von fünf Akten, ich selbst werde sechs verwenden (um die Neuwerdung am Ende herauszustellen).

Akt 1 – Die Schöpfung

Gott erschafft die Welt und sie ist sehr gut. In dieser Welt übergibt er den Menschen die Aufgabe, sich um die Erde zu kümmern, über sie zu regieren (leider fehlt ein schöneres Wort) und seine Schöpfung im Guten voranzubringen. Darin zeigt sich die Ebenbildlichkeit des Menschen, dass sie Gottes liebevolle und weise Herrschaft in die Welt wiedergeben und den Lobpreis der Schöpfung zu Gott. Das soll in Liebe untereinander und in Liebe zu Gott geschehen.

Akt 2 – Der Sündenfall

Der Mensch zweifelt an Gottes guten Absichten, er will nicht Gottes Herrschaft in die Welt bringen, sondern seine eigene. Er wird jedoch nicht autonom, sondern fällt in die Zwänge und Beeinflussung von Mächten und Gewalten, auf die der Mensch nun ausgerichtet ist. Als falsches Ziel – die Sünde. Es sind keine Götter, sondern Götzen, die den Menschen und damit auch seine Herrschaft über die Schöpfung korrumpieren. Es startet in den Herzen der Menschen und wächst hin zu zerstörerischen Reichen.

Akt 3 – Israel

Beginnend mit Abraham und folgend mit seinen Nachfahren als Volk Israel macht Gott sich auf, die Menschheit wieder für sich zurückzugewinnen. In und an Israel soll deutlich werden, wie ein Leben in Gemeinschaft mit Gott aussieht, das ein Segen für die gesamte Welt wird. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten, so lauten die Gebote Gottes zu solch einem Leben. Weil aber nicht die reine Liebe, sondern die Sünde das Herz der Menschen erfasst hat, misstraut auch Israel immer wieder Gottes Willen und verstrickt sich im Bösen.

Akt 4 – Jesus

Der Höhepunkt der Geschichte, die gute Nachricht: Trotz aller Abwendung wird Israel doch zu Gottes Segenshandlung an der Welt – indem Gott selbst in Jesus Mensch wird. An ihm zeigt sich, wie der Mensch in Liebe zu Gott und den Mitmenschen über diese Welt regieren soll. Nicht mit Unterdrückung und Gewalt, sondern dienend und in Liebe. Gottes Herrschaft in Christus kollidiert mit der Herrschaft der Sünde am Kreuz. Jesus stirbt, die Fratze des Bösen wird offenbar und gleichzeitig zeigt sich Gottes Himmelreich darin, dass nicht Rache, sondern Vergebung folgt und die Auferstehung in ein neues Leben.

Akt 5 – Die Gemeinde

Durch die Auferstehung von Jesus hat eine neue Schöpfung begonnen. Sie beginnt mit erneuerten Menschen, die wieder auf Gott ausgerichtet sind und seine Herrschaft widerspiegeln. Durch das Wirken von Jesus und seinen Tod am Kreuz werden Menschen im Herzen bewegt. Sie erfahren die Vergebung, Heilung und die Liebe Gottes sowie darin bereits ein Stück neues Leben. Aus dieser Erfahrung heraus und in Leitung von Gottes Geist begegnen sie auch ihren Mitmenschen auf neue Weise und nehmen ihren Auftrag als stellvertretende Herrscher (hier wird das passende, fehlende Wort besonders sichtbar) über die Schöpfung dienend an.

Akt 6 – Die neue Schöpfung

Der Ausblick – Gottes Gegenwart kommt ganz mit der Schöpfung zusammen. Was bereits in Christus sichtbar wurde und durch das Wirken des Heiligen Geistes ein stückweit erfahrbar, wird dann umfassende Realität. All das Zerstörerische, auf das die Menschen sich ausgerichtet und das sie selbst angerichtet haben, wird keinen Bestand mehr haben. Der Mensch lebt gemeinsam mit Gott, das Misstrauen aus Akt 2 ist bereits durchlebt und überwunden. Es bleibt der Auftrag Gottes an den Menschen, gemeinsam in Liebe an einer erneuerten Schöpfung mitzuwirken.

Begründung für diese Erzählweise

Die Ebenbildlichkeit des Menschen sowie seine Aufgabe gut über diese Welt zu herrschen findet für mich den größten Anklang an gegenwärtige Weltdeutungen. Das ausgerufene Anthropozän beschreibt die Tatsache, dass der Einfluss der Menschheit auf unsere Welt immer weiter zunimmt. Es hat enormen Einfluss auf die gesamte Schöpfung, wie die Menschheit sich verhält und worauf sie sich ausrichtet. Das geht weit über den Umweltschutz hinaus. Wen oder was der Mensch mit seinem Leben widerspiegelt hat hohe Bedeutung. Die Gute Botschaft ist dabei, dass wir in Jesus nicht nur einen Menschen mit richtiger Ausrichtung auf Gott erleben, sondern er diese Ausrichtung, das von Gott gewollte Leben auch für die Menschen möglich macht mit seiner Vergebung, Heilung und Liebe.

Die Gegenwart als Teil von Akt 5

Der schwierige Teil kommt nun allerdings erst noch. Wie wirkt sich diese Geschichte in unsere Zeit aus? Und darüber hinaus: wie hat sie sich in die Geschichte der letzten 1900 Jahre der nachbiblischen Zeit ausgewirkt? Denn wir stehen heute natürlich nicht im geschichtsleeren Raum, sondern sind nach der biblischen Geschichte auch von der langen folgenden Zeit bis heute mitgeprägt. Würden wir es allerdings wie die biblischen Autoren wagen, Zeiten und historische Ereignisse in Gottes Geschichte mit den Menschen zu interpretieren? War z.B. die konstantinische Wende ein Hochpunkt oder Tiefpunkt des Christentums oder irgendwie beides? Ob wir uns nun an solche Interpretationen wagen oder nicht: die größten Parallelen haben wir heute in Akt 5 mit Akt 3. Es sind jeweils große, variantenreiche Zeiträume abgedeckt. Gott hat jeweils sein Volk in eine neue Lebenssituation geführt (im Heiligen Land bzw. in die Zeit der Kirche nach Pfingsten). In Akt 5 haben wir allerdings nur den Anfang zur Verfügung (in Form des NT). Akt 6 ist uns ebenfalls angedeutet mit den Visionen, welche die Bibel für die neue Schöpfung aufzeigt. Zwischen dem Anfang von Akt 5 und Akt 6 liegt allerdings eine Leerstelle.

N. T. Wright führt hierzu an, was Schauspieler in einem Theaterstück machen würden, wenn das Drehbuch solch eine Lücke aufweisen würde: sie verinnerlichen die vorhandene Geschichte und improvisieren dann die Leerstelle. Das finde ich eine sehr spannende Herangehensweise. Es bedeutet, dass wir nicht einfach wiederholen, wie es vorher war, nicht einfach möglichst nah zurück wollen an die biblischen Zeiten. Sondern wir kommen aus der biblischen Geschichte, haben die Vision der neuen Schöpfung vor Augen und improvisieren den Weg bis dahin. Improvisation ist dabei nicht als unvorbereitete Aktion gemeint, sondern als Weiterführung im Geiste des Vorhandenen, jedoch ohne feste Vorgaben und ohne einen stetigen Fortschritt anzunehmen. Welchen Weg das ergeben wird, bleibt hier unklar und auch wie Akt 6 beginnt, entzieht sich unserer Erkenntnis.

Interessant und fraglich bleibt für mich, wie wir unsere bisherige Improvisation der letzten 1900 Jahre einordnen und bewerten würden. Auch in wie weit wir tatsächlich Fortschritte zu Akt 6 machen oder er wie Akt 4 nach Akt 3 zwar angebunden, aber doch mit klarem Bruch beginnt, bleibt für uns nicht beantwortbar. Als Teil von Akt 5 aus der großen Geschichte der Bibel zu leben und dennoch selbst Akzente setzen zu können, finde ich aber attraktiv und herausfordernd.  

PS: Der zweite YouTube Link zeigt eine Zusammenfassung der biblischen Geschichte in animierter Form durch BibleProject. Der dritte das Gleiche übersetzt in Deutsch.

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Erzählung Evangelium Gute Nachricht Heilsgeschichte Meta-Story Reich Gottes
Website
https://www.youtube.com/watch?v=b2BJdBAp7wo https://www.youtube.com/watch?v=7_CGP-12AE0 https://www.youtube.com/watch?v=UNKQf4QOZRU
Beschreibung

Vorwort

Auf dem Weg zur Formulierung einer Story des Evangeliums, taste ich mich zuvor über die Themes der Bibel heran. Das sind die großen Stränge, die immer wieder auftauchen, reflektiert und interpretiert werden. Nach meinen jetzigen Überlegungen sind es diese einzelnen Themes, die ein Gesamt-Story ausmachen. Mal wieder das Beispiel Der Herr der Ringe: Die Geschichte ist nicht damit erzählt, dass der Ring der Macht im Schicksalsberg zerstört werden soll und wie das schlussendlich gelingt. Es geht auch um die Themes von Freundschaft, Erwachsenwerden, Umgang mit Macht, Überwindung von Ängsten, Hoffnung(slosigkeit) usw.

Damit möchte ich mich auch in Bezug auf das Evangelium vorantasten. Zuerst mit einer Übersicht der Themes an dieser Stelle, dann mit einer Ausführung der einzelnen Themes und schlussendlich sowie hoffentlich in einer Story, welche dies schlüssig zusammenbringt.

Biblische Themes [mit Unterthemen]:

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    Evangelium Gute Nachricht Meta-Story
    Beschreibung

    Warum (mir) diese Frage wichtig ist:  
    Ich bewege mich immer wieder im säkulären Umfeld, in dem die Frage "Wozu brauchen wir überhaupt Kirche?" völlig selbstverständlich gestellt wird. Nun ist Kirche natürlich nicht nur diakonisches Handeln. Das Unsichtbare ist nicht weniger Wesentlich als das Sichtbare - allerdings wundere ich mich, warum so wenig von dem, was wir als Kirche sind und tun, bei Menschen ankommt. Denn anders kann ich mir nicht erklären, warum Menschen fragen: Wozu brauchen wir denn Kirche?

    Sicherlich wird manches von dem, was Kirche tut, übersehen, nicht mehr wahrgenommen, weil es eben schon so selbstverständlich ist, dass Kirche beispielsweise diakonisch handelt, dass es nicht mehr wahrgenommen wird. Teil des Problems ist also sicherlich ein Kommunikations- und Imageproblem. 

    Aber das reicht mir nicht. Ich frage mich trotzdem, ob das, was wir als Kirche tun unserem Auftrag entspricht. Leben wir wirklich als Licht der Welt? Verkündigen wir Evangelium für die Menschen? Tun wir "genug"? Das ist schwer messbar und führt den einen oder anderen sicherlich in eine Abwehrhaltung - sollen wir etwas noch mehr tun?

    Aber meine Frage drängt nicht auf ein Mehr. Es geht mir darum zu fragen, wo unsere Kraft hinfließt und ob die Kraft dazu genutzt wird, den Menschen Gutes zu bringen - Heil im umfassenden Sinn. Nicht, um die Existenz von Kirchen zu rechtfertigen, sondern weil ich glaube, dass dies ein Wesenszug von Kirche sein müsste. 
     

    Welche Themenfelder gehören dazu: 

    • Wo sind wir als Kirchen aktiv, um diese unsere Zeit, die von vielen als schwere Zeit empfunden wird, zu gestalten?
    • Sind wir Deuter:innen? Bieten wir konkrete Hilfe? Öffnen wir Deutungshorizonte für ethische Fragen? Bieten wir einen Mehrwert, der Menschen hilft, in Krisen zu bestehen?

     

    Was ich mir von einer (Teil-)Antwort erhoffe:
    Einerseits eine Hilfe zur Bestandsaufnahme. Welche Punkte muss ich angucken, welche Fragen muss ich stellen, um innerhalb einer Einzelkirche, aber auch in größeren Zusammenhängen zu verstehen, wo und inwiefern Kirche der Welt Gutes tut. 
    Andrerseits auch die grundsätzliche Frage: Ereignet Kirche sich wirklich darin, dass sie Gutes tut, Heil bringt? Sollte das für Kirche unumgänglich sein? Und müssten wir dann nicht als Kirche ganz anders leben?

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    Gute Nachricht Relevanz Zukunft
    Beschreibung

    (1) Warum (mir) diese Frage wichtig ist:

    Wir kennen aus den Evangelien Jesu Lehren vom Reich Gottes, das mit ihm nach eigener Aussage in die Welt gekommen ist. Jesus hat vom Reich Gottes bevorzugt mithilfe von Gleichnissen gesprochen, wahrscheinlich deshalb, weil es sonst von den Menschen schwer begriffen werden kann und über ihr Verstehen hinausgeht. Das Reich Gottes scheint – ähnlich wie Gott (Ps. 8) – für uns Menschen nur ansatzweise verstehbar bzw. begreifbar zu sein, aber die Gleichnisse zeigen einige seiner Merkmale und Gesetzmäßigkeiten. Für mich ist die Reich Gottes-Lehre der zentrale Bestandteil der Nachfolge und des christlichen Glaubens.

    Wenn wir heute die Bibel lesen, lesen wir sie anders als die Menschen in der Antike oder im Mittelalter.  Denn zum Verstehen bringen wir immer unseren eigenen Kontext mit ein, bestehend aus individueller Biografie, Kultur und den Lebensbedingungen. Bauern im Mittelalter lesen solche Texte anders als Menschen in Großstädten im 21. Jahrhundert, Handwerker lesen sie anders als Ärzte oder Polizisten. Dieses hermeneutische Grundverständnis macht ein objektives Verstehen von Texten in dem Sinne von "das hat Jesus wirklich gemeint" unmöglich. Gleichzeitig gilt aber auch, dass er uns die Schrift "öffnen" kann und wir auch immer wieder irritierende Dinge aus den Texten herauslesen, die eben nicht nur aus unserer Situation heraus kommen. Zudem können literarische Texte noch weit mehr erzeugen, als Fakten wiederzugeben (vgl. Roland Barthes: Die Lust am Text).

    Nun leben wir in einer digitalen Welt zunehmend unter den kulturellen Bedingungen der Digitalität (F. Stalder) und erleben zurzeit massive Umwälzungen. Der Soziologe Ulrich Beck sprach in seinem letzten Buch sogar von einer Metamorphose, die unsere Welt durchmacht. Zygmund Bauman stellt uns die Welt als eine liquide vor und für Fredmund Malik verändern sich zurzeit sämtliche Bereiche unseres Lebens und damit auch unsere Wahrnehmung und wir selbst.

    Mein Verdacht ist, dass die Merkmale einer Kultur der Digitalität (z.B. Vernetzung, Virtualität,  Referentialität, Gemeinschaftlichkeit, Algorithmizität) uns ein neues Verständnis vom Reich Gottes ermöglichen – nicht besser, aber anders. 

    Fest steht für mich, dass Christus auch im digitalen Zeitalter drin ist, dass er auch die Digitalität bedingt, denn "durch ihn hat Gott alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist. Er macht alles, was wir sehen, und das, was wir nicht sehen können, ob Könige, Reiche, Herrscher oder Gewalten. Alles ist durch ihn und für ihn erschaffen." (Kolosser 1, 15 f.)

    So könnte ein Teil der Pilgerreise sein, die Lehren vom Reich Gottes vor dem Hintergrund der Digitalität neu zu lesen und dabei sicherlich spannende Entdeckungen zu machen.
     

    (2) Welche Themenfelder dazu gehören:

    • Lehren vom Reich Gottes
    • Kulturelle Merkmale der Digitalität
    • Hinterfragen des eigenen Textverständnisses (Hermeneutik)
       

    (3) Was ich mir von einer (Teil-) Antwort erhoffe:

    • ein besseres und klärenderes Verständnis des eigenen Glaubens
    • ein angemesseneres Sprechen über den Glauben zu Menschen, denen er fremd ist
    • neue Inspirationen
    Tags
    Digitalisierung Glaube Gute Nachricht Kultur der Digitalität Reich Gottes Tiefe Fragen
    Beschreibung

    (1) Warum (mir) diese Frage wichtig ist:

    Gemeinsamer als auch individueller christlicher Glaube zeigt sich mir oft als sehr fragmentarisch. Nicht einfach als bruchstückhaft, sondern als Fehlen des großen Ganzen. Was ist das Motiv, nach dem wir unsere kleinen Puzzle-Teile des Lebens zusammenlegen? Lange Zeit gab es solch ein Bild: Es war der Gerichtssaal, mit Gott dem Vater als Richter, dem Heiligen Geist als Anwalt und Christus als dem Stellvertreter, der dem schuldigen, sündigen Menschen das Urteil des Todes abnimmt. Was das für das Gemeindeleben bedeutet, war auch ziemlich klar: Zusehen, dass Christus an der eigenen Seite steht und darüber hinaus möglichst vielen anderen Menschen mit Christus die Möglichkeit geben, nicht im Gericht Gottes unterzugehen.

    Abgesehen davon, dass dies ein sehr eindimensionales Bild des Evangeliums ist, so zieht es heute auch nur noch selten. Vielleicht in Lebenskrisen, in denen Menschen sich selbst als besonders (moralisch) schuldig erleben. Sünde aber umfasst mehr als die Moral. Und das Evangelium geht weit über den Gerichtssaal hinaus. Aber was ist das Bild, was wir stattdessen zeichnen? Was ist die Story, die wir erzählen über den Weg Gottes mit den Menschen und den Höhepunkt dieser Geschichte in Christus? Ich erlebe immer häufiger, dass Christen und Gemeinden sich recht sicher sind, dass sie das Entkommen von Gottes Zorn nicht mehr als hilfreiches Lebensmotiv sehen. Was aber stattdessen an diese Stelle rückt, bleibt oft unklar.

    Meine Frage ist für mich auch stark mit dem "Why" des Golden Circles nach Simon Sinek verbunden. Was ist die Motivation für das "How" und das "What" des Gemeindelebens und des Lebens als Christ? Anknüpfen kann ich dies auch an die Frage von Frank auf Conceptboard: "Was ist das Attraktive und Gewinnende am Evangelium für Menschen in einer digitalisierten, globalisierten, komplexen Welt?"
     

    (2) Welche Themenfelder dazu gehören:

    Die Themenfelder, die an diese Frage(n) anschließen sind vielfältig und erstrecken sich am Ende vermutlich über fast alle Bereiche des christlichen Lebens. Besonders hervorheben möchte ich vorerst drei:

    • Umgang mit der Bibel: So ermutigend und hilfreich z.B. Losungstexte auch sein können, so klein ist doch der Einblick durch einzelne Verse in die große Geschichte der Bibel. Ein Nachspüren, was es heißt, dass Christus "nach der Schrift" gestorben, begraben und auferweckt wurde (1. Kor 15) birgt viel Potential.
    • Klärung unseres Auftrags als Christen: Wenn das "Why" klarer wird und damit die Wirkung des Evangeliums für unsere heutige Zeit, dann ergeben sich auch das "How" und das "What" deutlicher.
    • Gemeinsames Unterwegssein: Gott geht seine Wege mit einzelnen Menschen. Aber eben auch mit vielen Menschen gemeinsam, die Teil seiner Geschichte mit den Menschen sind. Wir sind alle individuelle Charaktere, mit eigenen Abenteuern und Herausforderungen. Und doch sind wir auch gemeinsam unterwegs, in einer Geschichte mit Christus. (Daher rührt auch das Titelbild, als Anspielung auf den Herrn der Ringe).
       

    (3) Was ich mir von einer (Teil-)Antwort erhoffe:

    Nicht so sehr im Kleinen, Fragmentarischen steckenzubleiben. Nicht, dass hier nicht Wunderbares entsteht, im Gegenteil. Es braucht immer die kleinen, konkreten Schritte zum Guten und Heilsamen. Aber ich erhoffe mir, dass ein klareres, großes Motiv, die Evangeliumsgeschichte für unsere Zeit, hier noch mehr Tiefe, Verbundenheit und Freude bringt.

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    Botschaft Gute Nachricht Reich Gottes Tiefe Fragen